Die beste Geschenkidee zum Muttertag

Heute ist der 10. Mai, in wenigen Tagen ist Muttertag und die Kommerzialisierung dieses Tages schreitet unaufhaltsam voran – ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr in den letzten Tagen zig Beiträge rund um diesen Tag im World Wide Web gefunden habt, denn schließlich gibt es auch eine Vielzahl an Beitragsideen, um diesen Tag „auszuschlachten“. Egal ob ihr noch auf der Suche nach einem ausgefallenen Geschenk, einem tollen Erlebnis oder einem neuen Café seid, in welches ihr eure liebste Mutter einladen könnt – aktuell werdet ihr da online mit Sicherheit fündig.

Obwohl das Intro sich vielleicht nun auf den ersten Blick ein wenig negativ liest, möchte ich sagen, dass ich keinesfalls gegen den Muttertag bin oder ihm seine Bedeutung absprechen möchte, die er für manche (auch mich!) hat. Na klar kann man es sinnlos finden, wenn man spezielle Tage feiert wie beispielsweise Weihnachten als Fest der Familie oder den Valentinstag als Tag der Verliebten. Mag man nun zu diesen speziellen Tagen im Jahr stehen wie man will (klar kann man sich seine Liebe auch an allen anderen Tagen im Jahr zeigen), finde ich den Gedanken dahinter jedoch sehr schön und ich glaube, dass wir uns im Alltag oft zu selten den Moment nehmen, um dankbar zu sein und das Besondere in unserem Leben zu feiern.

Aber warum dann all die Negativität zu Beginn rund um die Kommerzialisierung? Ganz einfach: in den letzten Tagen habe ich etliche Beiträge rund um den Muttertag gelesen, darunter auch viele Geschenke-Guides, und eine Sache fehlte mir hier ganz besonders – und zwar das beste Geschenk zum Muttertag, was man verschenken kann. Die Geschenkidee ist zudem noch relativ einfach umzusetzen, kostet nicht viel und ich bin mir unheimlich sicher, dass eure Mutter euch von Herzen danken wird!

Die Rede ist von Aufmerksamkeit. Und damit meine ich nicht, dass man sich nur diesen einen Tag, den Muttertag, freischaufelt, sich auf ein Stück Kuchen trifft und Blumen in petto hat.

Ich denke da an ehrliche Aufmerksamkeit, tagtäglich und nicht nur beiläufig. Sie einfach mal so anrufen, nach ihrem Tag fragen, fragen, was sie bewegt. Mit ihr zusammen kochen oder einen Spaziergang machen, vielleicht ja sogar einen Shoppingbummel in der Stadt unternehmen! Ihr den lästigen Papierkram abnehmen, für den sie eventuell keine Nerven hat. Mit ihr zu ihren Ärzten gehen, weil eine Begleitung einfach immer schön ist. Aufmerksam sein, falls sie sich verändert – einen Blick dafür entwickeln. Hilfe suchen, falls man bemerkt, dass etwas nicht mehr so ist, wie es einmal war. Ihr unsere Aufmerksamkeit schenken, so wie auch wir ganz selbstlos schon als Kinder von der eigenen Mutter beschenkt worden sind.

Mir ist klar, dass man das nicht immer zu 100% umsetzen kann – man hat auch seine eigenen Verpflichtungen oder bekommt gerade mal so frei, dass man selbst einen Arzt aufsuchen kann. Aber diese Aufmerksamkeit ist so unglaublich wichtig, gerade in Bezug auf negative Veränderungen, die einem bewusst werden.

Ab heute sind es nicht nur noch vier Tage bis zum Muttertag. Heute ist der 10. Mai und gleichzeitig auch der „Tag gegen den Schlaganfall„.

Was ich euch bisher noch nie erzählt habe: das Thema Schlaganfall hat in meinem Leben auch eine tragische Rolle gespielt. Meine Mutter erlitt einen Schlaganfall, als ich gerade mal zehn Jahre alt war. Obwohl ich es damals nicht genau verstand, wusste ich direkt, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist und dass sich mein Leben ab diesem Zeitpunkt nachhaltig ändern wird. Nun kann man wirklich nur von Glück sprechen, dass mein Vater in diesem Moment so besonnen und aufmerksam reagiert hat (meine Mutter gehörte schon immer zu den Menschen, die nicht direkt sagt, wenn es ihr nicht gut geht), meine Mutter direkt ins Krankenhaus kam und dort behandelt wurde. Dieser Schnelligkeit ist es zu verdanken, dass es ihr heute so gut geht, wie es ihr eben geht – denn bei einem Schlaganfall zählt wirklich jede Minute.

Und wie ich es in dem Moment schon richtig vermutete – mein Leben hat sich dadurch auch nachhaltig verändert. Es war ein so einschneidendes Erlebnis, dass ich fast täglich weinte – zunächst erstmal wegen dem Schock, später aus Angst, dass ihr etwas passiert. Ich hatte Schuldgefühle, weil ich mich an diesem Tag mit ihr wegen einer Banalität gestritten habe und ich vermutete, dass sie wegen mir diesen Schlaganfall hatte. Aus diesen Schuldgefühlen heraus habe ich mich nicht einmal getraut sie zu fragen, ob es wirklich an mir lag – ich habe mit niemandem über diese Vermutung gesprochen. In den Jahren danach verging kein Tag, an dem ich nicht Angst hatte, dass ihr wieder etwas passiert, dass die Medikamente nicht helfen und sie eines Tages nicht mehr ist. Ich bekam Angst, wenn sie nicht sofort ans Telefon ging und vergewisserte mich oft, ob sie noch atmet, wenn ich abends zu Bett ging und sie schon vorher schlief.

Auch ihr Leben hat sich seitdem stark verändert; sie muss eine Vielzahl an Medikamenten nehmen, regelmäßig Ärzte aufsuchen und auch die ein oder andere Therapiemaßnahme (die Sauerstoff-Therapie hat ihr hier übrigens sehr gut geholfen) ergreifen. Äußerlich hat sie sich nicht wirklich verändert – jedoch merkt man ihr ab und zu an, dass sie diesen Schlaganfall hatte, weil sie sich nicht so gut Dinge merken kann und sich nicht mehr ganz so gut auf Dinge konzentrieren kann. Ich bin dankbar dafür, dass es „nur“ das ist – dass sie sonst ihre gewohnte Lebensqualität genießen kann.

Außerdem denke ich, dass auch sie (genau wie ich!) eine andere Sicht auf das Leben bekommen hat – dankbarer geworden ist für die schönen Momente. Ich glaube, dass man gerade nach solch einschneidenden gesundheitlichen Ereignissen die eigene Gesundheit und das Leben noch mehr Wert schätzt. Mittlerweile habe ich natürlich auch schon oft mit ihr darüber gesprochen, auch die Sache mit den Schuldgefühlen habe ich angesprochen (was natürlich totaler Quatsch von mir war – aber als zehnjähriges Kind fasst man eben so kurzsichtige Gedanken). Ich telefoniere täglich ganz oft mit ihr, fahre jede Woche mindestens einmal nach Hause und versuche sie immer zu ihren Ärzten zu begleiten. Ich bin so unheimlich dankbar dafür, dass ich sie habe und bemühe mich darum so oft wie ich kann Zeit mit ihr zu genießen – Zeit ist so kostbar und sie gibt, bevor sie nimmt.

Genau aus diesem Hintergrund heraus möchte ich daran appellieren, dass doch das beste Geschenk, das wir verschenken können, unsere Aufmerksamkeit ist, tagtäglich und nicht nur beiläufig. Außerdem möchte ich heute am „Tag gegen den Schlaganfall“ auf das Thema Schlaganfall aufmerksam machen, dafür ein Bewusstsein schaffen. Achtet auf Veränderungen, nicht nur bei eurer Mutter – geht offen durch die Welt und gebt auf eure Mitmenschen Acht.

So kann man übrigens den Verdacht auf einen Schlaganfall prüfen:

  1. Bitte die Person zu lächeln – wenn das Gesicht einseitig verzogen ist, deutet dies auf eine halbseitige Lähmung hin.
  2. Bitte die Person die Arme nach vorn zu strecken und die Handflächen hin nach oben zu drehen – bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden oder es gibt Ausfälligkeitserscheinungen.
  3. Frage die Person nach ihrem Tag – wenn sie darauf nicht antworten kann, oder sich die Stimme verwaschen anhört, könnte eine Sprachstörung vorliegen.
  4. Bei dem leisesten Verdacht direkt die 112 anrufen, die Symptome schildern oder sich direkt auf den Weg ins Krankenhaus machen. Ein Schlaganfall ist ein Notfall, es zählt hier wirklich jede Sekunde, gerade um bleibende Schäden zu verhindern. Lieber einmal zu oft „unnötig“ ins Krankenhaus, als einmal zu wenig.

Mehr Informationen zum Thema Schlaganfall und dem heutigen „Tag gegen den Schlaganfall“ findet ihr auf der Seite der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe, Hilfe für Betroffene gibt es bestimmt auch in eurer Stadt – einfach mal im Krankenhaus nachfragen, die haben dort meist einen sehr guten Überblick über Hilfsangebote.

Ich wünsche euch allen von Herzen, dass ihr so etwas nie erleben müsst und dass auch keine Person davon betroffen sein wird, die ihr kennt. Feiert das Leben, seid dankbar für die Zeit und Gesundheit und seid auch wachsam in Bezug auf Menschen, denen es vielleicht nicht so gut geht. Verschenkt eure Aufmerksamkeit – feiert nicht nur den kommenden Muttertag, sondern feiert jeden Tag als Mutter-, Vater-, Schwester-, Bruder- und Beste-Freundin-Tag.

Spielte das Thema Schlaganfall schon in eurem Leben eine Rolle?

Wie ist das Verhältnis zu euren Eltern?

Seid ihr tatsächlich noch auf der Suche nach einem Geschenk für den Muttertag?

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10 Kommentare

  1. 11. Mai 2017 / 12:38

    Meine liebe TIna, ich muss gerade erstmal schlucken und mich wieder fassen, weil ich so berührt bin und so sehr mit dir mitfühle. Erstens einmal vorweg, ich bin absolut auf deiner Seite, ich halte generell nichts von gift-guides, entweder ich kenne eine Person so gut, dann brauche ich keinen fremden guide, der mir dabei hilft, oder eben nicht so gut, dann brauche ich aber auch nichts zu schenken. Ich liebe Zeit zu schenken, Aufmerksamkeit, wie du so schön sagst, das ist das kostbarste Geschenk.
    Ich bin vor 3 Jahren selber auf der Schlaganfallstation gelgen, 1 Woche lang wurde ich als Schlaganfallpatientin behandelt, bis sich herausgestellt hat, dass keine Schädigungen feststellbar waren, es hatte eine andere Ursache…lange Geschichte, ein Jahr spätter bin ich auf derselben Station gelegen, seitdem gelte ich als Schlaganfallrisikopatientin…was ich eigentlich damit sagen will, ich kann deine Worte so sehr verstehen, seitdem weiß ich das Leben erst wirklich zu schätzen, genieße jeden Tag, weiß, dass es nichts Kostbareres gibt, als die Gesundheit, fühl dich ganz lieb umarmt und verbringe immer soviel Zeit wie möglich mit deinen Lieben, das ist das Allerwichtigste. Alles Liebe und einen wunderschönen Muttertag mit deiner Mom, x S.Mirli!

    • Tina Carrot
      Autor
      4. Juni 2017 / 18:26

      Oh Gott, das ist ja furchtbar! Ich hoffe, dass es dir nun wieder gut geht – wenn man selbst betroffen ist/war/oder sein könnte, hat man da ja noch einmal einen ganz anderen Bezug zu. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Gesundheit und Zeit für die Menschen, die du liebst! 🙂

  2. 12. Mai 2017 / 9:26

    meine liebe Tina,
    ich muss zugeben, dass ich heute erstmal auf deinen Blog und dieses Beitrag geklickt habe und dachte, „noch so ein Muttertagsbeitrag“ … doch was ich dann zu lesen bekam, da musste ich schlucken.
    ich finde deinen Beitrag so gut, denn endlich wird einmal etwas angesprochen, dass sonst nur hinter vorgehaltener Hand behandelt wird.

    selber hatte ich eben noch keinen Schlaganfall und glücklicherweise auch keinen im engsten Familien- und Bekanntenkreis. aber wie schockierend das erstmal ist kann ich dennoch nachvollziehen, denn vor gut einem Jahr wurde mein Vater auf einen Schlaganfall behandelt, der sich am Ende als eine andere Erkrankung herausstellte.
    ein sehr sensibles Thema … und jede Sekunde zählt!

    danke für diesen Lichtblick und liebste Grüße!!!
    ❤ Tina

    • Tina Carrot
      Autor
      4. Juni 2017 / 18:27

      Schön, dass es bei ihm nicht solch eine schreckliche Ursache hatte – in solchen Momenten merkt man oft erst, wie kostbar das Leben ist und dass man eben doch nicht so viel Zeit hat, wie man vielleicht denken könnte…Ich drücke dich ganz doll! 🙂

  3. 14. Mai 2017 / 17:05

    Hey, dein Beitrag hat mich sehr berührt!
    Bisher habe ich noch keinen Schlaganfall miterleben müssen.
    Danke für deinen offenen Worte dazu.
    Liebe Grüße!

    • Tina Carrot
      Autor
      4. Juni 2017 / 18:28

      Danke dir – freut mich, dass ich ein wenig Aufmerksamkeit für das Thema schaffen konnte. 🙂

  4. 17. Mai 2017 / 10:45

    Der Muttertag ist zwar schon vorbei, aber ich bin trotzdem bei deinem Beitrag hängen geblieben. Du hast vollkommen Recht. Aufmerksamkeit ist das einzig wahre Geschenk!
    Ich schenke meiner Mum nur was zum Muttertag, wenn ich was passendes sehe – sonst schenke ich ihr nichts. Das sage ich ihr dann auch so offen. ich schenke ihr gerne auch mal was nebenbei und bin auch an Geburtstagen immer sehr kreativ und mache mir Gedanken… deswegen sehe ich es da nicht so richtzig ein etwas „zu erzwingen“.
    …und wenn es am Ende nur ihre Lieblingszeitschrift ist… darum geht es einfach nicht 🙂

    Lg, Mny

    • Tina Carrot
      Autor
      4. Juni 2017 / 18:28

      Danke für deine lieben Worte! Und ich bin mir ziemlich sicher, dass deine Mutter sich auch über „nur“ die Lieblingszeitschrift freuen wird – es sind die kleinen Dinge! 🙂

  5. 24. Mai 2017 / 10:01

    Liebe Tina!

    Ich danke Dir für Deinen Bericht, er hat mich sehr berührt. Auch wenn ich selber in nächster Umgebung noch nicht mit dem Thema „Schlaganfall“ konfrontiert wurde, kann ich mehr als nachvollziehen, wie sehr sich Dein und das Leben Deiner Familie nach dem Schlaganfall Deiner Mama verändert haben muss.

    Das Thema „Aufmerksamkeit“ ist unglaublich wichtig in unserem Leben und Du hast das ganz bezaubernd dargestellt! Danke dafür.

    Herzliche Grüße,

    Natascha

    • Tina Carrot
      Autor
      4. Juni 2017 / 18:29

      Vielen, vielen Dank, liebe Natascha! Genau darum ging es mir auch – ich hoffe, dass niemandem so etwas Schreckliches widerfährt – aber es ist gut, dass man die Erkennungszeichen im Hinterkopf hat, nur so für alle Fälle! 🙂

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